Finanzplanung scheint im ersten Moment kompliziert aber auch trocken. Das ist es aber überhaupt nicht. Es braucht lediglich etwas Zeit und den Willen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Besonders Frauen* schieben das Thema gerne zur Seite, obwohl es für Frauen* besonders wichtig ist!

Warum Finanzen für Frauen* besonders wichtig sind

Gemäss einer Studie des Bundes aus dem Jahr 2016 ist der Unterschied bei der Rente zwischen Mann* und Frau* in der Schweiz 37%! Dafür gibt es verschiedene Gründe. Frauen* leben länger, arbeiten öfters Teilzeit, haben tiefere Löhne, sind längere Zeit gar nicht berufstätig und haben ein geringeres Finanzwissen. Viele der aufgeführten Gründe sind systembedingt und können von uns nur bedingt beeinflusst werden. Finanzwissen jedoch kann sich jede Frau* aneignen! Es lohnt sich langfristig, denn Frauen* sind statistisch gesehen die besseren Investorinnen. Auch im Falle einer Trennung oder im Todesfall des Partners steht die finanziell unabhängige Frau* auf eigenen Beinen.

Mit den folgenden Schritten hast du eine Anleitung, wie du vorgehen kannst, wenn du deine Finanzplanung in Angriff nehmen möchtest.

Deine Einstellung zu Geld

Zuerst gilt es, negative Glaubenssätze aufzulösen. Wir tragen nämlich einige mit uns herum: Geld ist böse, Geld verdirbt den Charakter, über Geld spricht man nicht und viele mehr! Diese hindern dich, bewusst und unbewusst, deine Finanzplanung anzugehen und Geld zu vermehren. Als nächstes legst du ein Ziel fest. Am besten findest du ein emotionales Ziel. Dies kann sein, dass du mehr Zeit mit deinen Kindern verbringen möchtest oder dass du im Alter gut abgesichert bist. Dies wird helfen, dein Ziel zu erreichen. Danach legst du eine Strategie fest. Hier gilt es auch darüber nachzudenken, ob du in die Säule 3a einbezahlen möchtest.

Ein Teil dieses ersten Schrittes kann auch ein Budget sein. Ein Budget ist unsexy und langweilig, hilft aber deine Ausgaben zu identifizieren und du siehst, wohin dein Geld tatsächlich fliesst. Zudem kann es ein Teil deiner Strategie sein und aufzeigen, wie und wo du mehr Geld sparen kannst.

Notgroschen ansparen

Ein Notgroschen reduziert das Risiko beim Geld anlegen. Dies weil du bei unvorhergesehenen Kosten nicht deine Wertpapiere verkaufen musst und so kein Verkauf mit Verlust nötig wird. Ein Notgroschen dient nicht dazu, deine nächsten Ferien zu bezahlen. Er ist für Notfälle gedacht. Beispiele dafür sind: Dein Auto hat eine Panne oder du verlierst dein Handy. Der Notgroschen umfasst 3-6 Monatsgehälter, je nach Lebensstil. Mein Tipp ist, dass du diesen auf einem separaten Bankkonto parkierst. So ist dieser «aus den Augen, aus dem Sinn».

Informieren und Wissen aneignen

Wissen ist Macht! Du kannst deine Finanzen selbst am besten verwalten. Nur du musst schliesslich mit den Konsequenzen leben! Dafür ist Wissen nötig. Dieses ist heutzutage überall verfügbar und vieles ist sogar kostenlos. Lese viel (Bücher und Zeitschriften), höre Podcasts und schau dir YouTube-Videos an! Lerne die Fachbegriffe wie Wertschriften, Aktie, Dividende, ETF, Index, … Wissen reduziert das Risiko beim Investieren enorm. Mit Fachwissen kannst du fundierte Entscheidungen treffen.

Deine Risikoanalyse

Investieren geht leider nicht ohne Risiko, jedoch ist es nicht so gross, wie man annimmt. Überlege dir, wie viel Risiko du eingehen möchtest. Diese Risikoanalyse wird Teil deiner Strategie. Die nächste Krise kommt bestimmt! Behalte dann deine Nerven, folge deiner Strategie und vermeide Panikverkäufe. Kenne die Aktien und ETFs, in die du investierst und erinnere dich immer wieder an dein Wissen. Nach jeder Krise geht es wieder nach oben, es gilt aber, die Krise auszuhalten und das Risiko so zu wählen, dass du eine Krise durchstehst. Nur so kannst du an der Börse langfristig erfolgreich sein.

Eröffne ein Depot

Ein Depot ist ein Bankkonto für deine Wertschriften. Es gibt verschiedene Anbieter, die je nach deinen Bedürfnissen besser oder weniger gut geeignet sind. Ein wichtiger Faktor hier sind die Gebühren, die es zu beachten gilt. Deshalb ist die Frage, ob sich deine Hausbank anbietet oder eher ein Online-Broker? Und wenn es sehr günstig sein soll, vielleicht sogar die Bank im Ausland?

Hole dir deine ersten Wertschriften ins Depot

Hier geht es nun darum, dein Depot zu füllen und Geld anzulegen. Für Einsteigerinnen lohnen sich besonders ETFs, da sie einfacher und weniger zeitaufwendig sind.

ETFs kannst du auf www.justetf.com filtern und analysieren. Diese Seite hat alle nötigen Informationen, die Kosten, Zusammensetzung und Performance über fast jeden handelbaren ETF. Mit der Suchmaschine kannst du nach verschiedenen Kriterien suchen und findest spannende ETFs als Investitionsmöglichkeit.

Für die Recherche von Aktien braucht es etwas mehr Zeit. Der Vorteil von Aktien ist, dass du das Unternehmen, in das du investierst, genau kennst. Es ist vielleicht sogar in deiner Nachbarschaft oder produziert etwas, das du total toll findest. Zur Recherche kannst du Fachzeitschriften oder den Wirtschaftsteil der Tageszeitung lesen, den Geschäftsbericht auf der Website (unter Investor Relations oder Corporate Governance) ansehen, auf Yahoo Finance die Kennzahlen studieren und Aktienanalysen lesen.

So einfach ist es!

Nun bist du also Investorin! Halte die Aktien oder ETFs so lange, wie du es in deiner Strategie definiert hast. Erinnere dich jederzeit an deine Strategie. Wenn du für die Altersvorsorge sparst, kannst du auch einige Jahre in den Winterschlaf und erst danach die Kurse wieder prüfen. Falls du auf hohe Dividenden aus bist, wirst du nun regelmässig Geld auf deinem Depot gutgeschrieben bekommen.

*Angela betreibt den Blog MissFinance, der Blog rund ums Thema Finanzwissen für Frauen in der Schweiz.

Tipps:

MissFinance.ch (Blog)

Finanzfluss (YouTube)

Madame Moneypenny (Podcast)

Finanzheldinnen (Podcast)

Der Aktien- und Börsenführerschein (Buch)

Damit sie sich keinen Millionär angeln muss (Buch)